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Amadeus

Theaterstück von Peter Shaffer

  • Sebastian Baumgart, Theodore Ganger, Marlene Hoffmann, Anatol Käbisch, Klaus Müller, Sebastian Müller-Stahl, Thomas Prazak und Kai Windhövel
  • Jürgen Lier
  • Ursula Bergmann
  • Sabeth Braun
  • Staatstheater Augsburg
  • 16. Februar 2019, martini-Park

Augsburg im Jahr 2019. Begraben unter alten Kulissenteilen, Staub und Schmutz wird eine lebendige Erinnerung an Wolfgang Amadeus Mozart geweckt, ein Zeitzeuge der Jahrhunderte: Antonio Salieri. Er zieht sein Publikum hinein ins 18. Jahrhundert, nimmt es mit von Begegnung zu Begegnung der beiden ungleichen Komponisten: Hier jagt Mozart wie ein junger Hund hinter seiner korsettgeschnürten Constanze her, dort bettelt er beim musikalisch talentfreien Kaiser um eine Stelle und schreibt mit unzähligen genialen Opern seinem immer teureren Lebensstil hinterher.
Es ist ein Schauspiel über die Gewalt, die beim Aufeinanderprallen des aufstrebenden Genies Mozart mit dem etablierten Fleißigen Salieri entstand, über verklemmte Keuschheit und klammernde Macht. Peter Shaffers Stück wurde 1979 in London uraufführt und 1984 mit einem oscarüberhäuften Film in der Regie von Miloš Forman berühmt, der ironischerweise eine wahre Renaissance von Salieris Musik entfachte.

Shaffers Schauspiel über den »halben Augsburger« Wolfgang Amadeus und den abwesenden, aber als steinerner Gast unablässig beeinflussenden Augsburger Leopold kommt nach fast 40 Jahren wieder in die Mozartstadt. David Ortmanns Inszenierung im martini-Park pustet erfrischend den Staub der Geschichte hinfort, verarbeitet lebendig heutige Erkenntnisse über Mozart und lässt selbstverständlich auch Mozarts unsterbliche Musik erklingen.

»Der schicksalhaften Begegnung zwischen dem Jahrhundert-Kometen Mozart und dem fleischgewordenen Mittelmaß des Hofkapellmeisters Antonio Salieri stellt Regisseur David Ortmann am Staatstheater Augsburg einen zeitnahen Exkurs voraus: Eine Dramaturgin entdeckt irgendwo in den Tiefen des renovierungsbedürftigen Großen Hauses eine vom Zahn der Zeit reichlich angefressene Guckkastenbühne […]. Die Bühne von Jürgen Lier, eine Mischung aus mobilem Klettergerüst und kassettenartigen Minibühnen, sorgt für geschmeidige Szenenwechsel, und die opulenten Barockkostüme von Ursula Bergmann führen mit viel nostalgischem Theaterzauber hinein in die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Die Regie führt ihr Ensemble an der langen Leine und lässt viel Raum für pure Spiellust. […] Sie alle ersaufen in Mozarts Musik, der Revolution in seinem Hirnkasten, die er nur noch aufs Papier bringen muss. Jubel und Fußgetrampel schier ohne Ende.«

»Regisseur David Ortmann ist klug genug, sich für die Inszenierung von Amadeus weitgehend von dem bekannten Milos-Forman-Film zu lösen. […] Die Inszenierung im Martini-Park ist ein großer, vergnüglicher Theaterabend mit Potenzial zum Publikumsrenner.«

»Die Augsburger Inszenierung von Peter Shaffers ›Amadeus‹ emanzipiert sich erfreulicherweise von dem dominanten Vorbild und findet ihre ganz eigene Ästhetik. Dennoch bleibt sie – bei der Premiere viel und freundlich beklatscht – einiges schuldig. […] Das liegt nicht zuletzt daran, dass Shaffers Stück im Grunde psychologisch und intellektuell etwas dünn ist. Dass man sich in Augsburg durchaus von der Vorlage entfernt, ändert daran wenig. […] Erst am Ende gewinnt der Abend, der allzu lange etwas boulevardesk dahingeplätschert ist, Tiefe und Überzeugungskraft und verdient sich so (zu) spät den Applaus des Premierenpublikums.«

»Und gefreut hätte [Mozart] wohl ebenso die phantasievolle Respektlosigkeit dieses ganzen Schauspiels und die hübsche Idee, ihn auch als einen schöpferisch tanzenden Komponisten zu präsentieren. […] Aber warum nur musste er den übrigen Abend – wirklich oder im übertragenen Sinn – permanent Purzelbäume schlagen, durchdrehen? Dazu infantil, fäkalerotisch, hormongetrieben plappern? Ja, ja, er weiß schon, dass er g’spaßig und drollig sein konnte, aber war er denn zehn Jahre lang wirklich nur quälend durchgeknallt, eine Ulknudel, ein verrücktes Huhn? War das vom Regisseur David Ortmann im Bühnen-Bühnenbild von Jürgen Lier nicht allzu überdreht und outriert hingezimmert – als unbeglaubigtes, flaches Hauruck-Theater mit Blick auf Posse und Klischee? Wo blieben nur die Zwischentöne, Feinheiten?«

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