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Familiengeschichten.Belgrad

Schauspiel von Biljana Srbljanović

  • Anna Gesewsky, Dirk S. Greis, Illi Oehlmann & Patrick Wudtke
  • Sabine Schmidt
  • Miriam Locker
  • Anhaltisches Theater Dessau
  • 2. April 2016 im Alten Theater Dessau

Fotos: Claudia Heysel

Drei Kinder, zwei Jungs und ein Mädchen, treffen sich im heruntergekommenen Randgebiet einer großen Stadt und spielen das wohl beliebteste Kinderspiel: Familie – Vater, Mutter, Kind. Ein verängstigtes, stummes Mädchen stößt zu ihnen und wird zum gehorsamen Familienhund bestimmt. Die „Familienmitglieder“ gehen mitnichten liebevoll miteinander um, sondern kalt und brutal, es wird geschimpft, gebrüllt, gemordet. Denn die spielenden Kinder wachsen in einer Gesellschaft auf, in der gerade ein Krieg stattgefunden hat, und sie übernehmen, was sie in ihrer Umgebung -im Elternhaus, in der Öffentlichkeit, in den Medien – tagtäglich aufschnappen und erleben: primitive, kleinkarierte Dummheit, Fremdenhass, archaische Denkmuster. Und das Spiel beginnt immer wieder von vorn.

Die bekannte serbische Dramatikerin Biljana Srbljanović hat Familiengeschichten.Belgrad 1998 geschrieben, nach dem Ende der Kriege in Kroatien und Bosnien. Das Stück beleuchtet und seziert eine durch den Krieg degenerierte und verrohte Gesellschaft – und deren Kinder müssen ein schweres Erbe antreten, können aber auch einmal alles anders machen.

»Unter André Bücker, dem im vergangenen Sommer im Streit mit der Kulturpolitik geschiedenen Intendanten, hat sich das Alte Theater ein kleines, aber alternatives und junges Publikum erspielt. Bückers Regieassistent David Ortmann und die Dramaturgin Sabeth Braun haben hier zwei Spielzeiten lang eine Art Off-Theater im Stadttheater betrieben – Selbstausbeutung inbegriffen. Während Bücker auch mit dem Schauspiel auf die große Bühne strebte, haben sie hier die kleinen, schnellen, frechen und experimentellen Formate gepflegt. […] Und „Familiengeschichten. Belgrad“ wird vorerst [Ortmanns] letzte Inszenierung in Dessau sein. Er beschwört darin gewissermaßen noch einmal den Geist der Off-Bühne, die er dem Stadttheater zwei Jahre lang abgetrotzt hat […]. Es wird einfach ein schwieriger Stoff solide, frisch und geradeaus erzählt.«

»All das wird sozusagen nachgespielt und ist manchmal sogar komisch. Kommt alles im scheinbar normalen Kinderspiel daher – nach der ganz und gar nicht normalen Vorlage eines Lebens mitten im Bürgerkrieg. Mit Erwachsenen, die Kinder spielen. Woran man sich am Anfang erst gewöhnen muss. Was aber nach dem ersten Szenenwechsel von einer ganz eigenen Atmosphäre getragen wird […]. In Dessau wird das zu einem Stück, das ohne weinerliche Besserwisserei von den Schattenseiten des Lebens erzählt.«

Joachim Lange, überregionaler Kulturteil der Mitteldeutschen Zeitung vom 4. April 2016

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