Loading...

HomeInszenierungenErnstes, Komödie

Luzid

Theaterstück von Rafael Spregelburd (Deutsche Erstaufführung)

  • Ute Fiedler, Julius Kuhn, Roman Pertl & Katharina Rehn sowie Fabian Heichele (Tuba)
  • Justus Saretz
  • Katharina Schmauder
  • Kathrin Mergel
  • Staatstheater Augsburg
  • 28. September 2019 in der brechtbühne im Ofenhaus

In einem exklusiven Restaurant feiert Lucas mit seiner Mutter Teté und seiner Schwester Lucrecia seinen 25. Geburtstag und alles scheint perfekt: das Essen, der Wein, das Ambiente, sogar der Kellner! Aber irgendetwas stimmt hier nicht. Irgendwie ist das alles zu makellos, fast klaustrophob. Wie in einem absurden Traum, der sich jederzeit in einen Albtraum verwandeln könnte.
Und plötzlich kollabiert die Illusion und man steht vor dem Scherbenhaufen einer Familie mit all ihren Geheimnissen, Lügen und jahrzehntealten Narben, die nie so ganz verheilt sind. Lucrecia hat Mutter und Bruder vor Jahren verlassen. Erb- und Eigentumsstreitigkeiten machen ein Gespräch fast unmöglich. Und Lucas weiß schon lange nicht mehr, wer er eigentlich ist. Er geht zum Therapeuten und versucht in direkter Konfrontation mit Teté seine Identitätsfragen zu lösen: Wie viel Selbst steckt überhaupt in diesem Körper? Was macht das Ich denn aus, wenn man sich selbst nur als Summe von Organen verstehen kann?
Die Grenzen zwischen Traum, Realität und Metarealität erweisen sich als fließend und manipulierbar. Vielleicht ist das ganze Leben ja auch nur ein einziges Déjà-vu. Wer sich hier auf welcher Seinsebene befindet, ist erst im großen Finale zu erahnen.

Der argentinische Dramatiker, Regisseur und Übersetzer Rafael Spregelburd hat mit »Luzid« ein Kammerstück geschrieben, bei dem sich Humor und Melancholie ständig gegenseitig untergraben, weshalb man seinen Augen nicht immer auf den ersten Blick trauen kann. Hausregisseur David Ortmann bringt die schnelle, schwarze Tragikomödie zur Deutschen Erstaufführung.

»Fasziniert verfolgt der Zuschauer, wie sich die Fragmente dieser Lebensgeschichten auf der Bühne herausbilden, ohne dass je ein Gesamtbild entsteht und ohne dass dabei wieder nur das Stereotyp der brüchigen bürgerlichen Familienfassade, hinter der sich Dramen und Abgründe auftun, wiederholt wird. […] Spregelburd [verwischt] die Grenzen zwischen Traum und Realität, und Regisseur David Ortmann folgt ihm dabei kongenial. So herrscht die Unsicherheit als Prinzip. Was auch immer als Rekonstruktion der Familiengeschichte angeboten wird, wird im nächsten Moment wieder unterlaufen, in ihrer Widersprüchlichkeit entlarvt, was sich wiederum als Widerspruch erweist – und so weiter. […] Dass dieses komplexe und durchaus fordernde Stück gelingt, liegt auch an den Schauspielern. Ute Fiedler als Teté, Katharina Rehn als ihre Tochter Lucrezia, ein ganz hervorragender Julius Kuhn als Sohn Lucas und Roman Pertl als Philipp wechseln leicht und jeweils sehr überzeugend mit dem Wirklichkeitsmodus sozusagen auch ihren schauspielerischen Status und haben offensichtlich viel Freude daran, nicht in eine Gattung gesperrt zu sein. Denn das Stück ist weit mehr als eine Familientragödie, es ist auch Komödie und psychologisches Kammerspiel, Situationskomik und Slapstick haben ihren Platz neben bewegenden und anrührenden Stellen genauso wie Fantastisches – kein Wunder, geht es doch um Träume. Ein postmoderner Hybrid, der aber nie zersplittert […].«

Ähnliche Inszenierungen