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  • Andreas Hillger
  • Sebastian Baumgart, Marlene Hoffmann, Natalie Hünig, Klaus Müller, Katharina Rehn sowie Gerald Fiedler & Andrej Kaminsky
  • Kathrin Mergel
  • Theater Augsburg
  • 5. Oktober 2017, Start im hoffmannkeller, unterwegs bis Lechhausen

Fotos: © Jan Fuhr

In deutschen Wohnzimmern gibt es eine letzte Sicherheit: den »Tatort«! Nach dem sonntäglichen Wetterbericht versammeln sich Millionen am Lagerfeuer der Nation, um mitzufiebern und wechselnde Ermittler bei der Täterjagd zu beobachten. Dabei gilt von Weimar bis Münster, von München bis Köln: Glücklich preist sich jede Stadt, die ihren eig’nen Krimi hat… Vor Ort aber blickte man bislang neidisch in die Röhre – kein »Tatort Augsburg« war in Sicht. Ist (oder braucht) aber nicht auch Augsburg ein heißes Pflaster? Und überhaupt: Runter vom Sofa! Warum den Kommissaren zuschauen, wenn man auch selber mitermitteln kann?

Die erste Folge des Augsburger »Tatorts« führt das Publikum in einen berüchtigten Stadtteil jenseits des Lechs, denn in Augsburgs Unterwelt passieren seltsame Dinge. Eben erst sind Corinna Bruch und Thomas Weber für interne Ermittlungen in die schwäbische Metropole versetzt worden, da geraten sie zufällig in eine Mordermittlung – in den unterirdischen Kanälen wurde eine Leiche gefunden. Doch was der Tote dort unten wollte, ist rätselhaft. Unterstützt von der Gerichtsmedizinerin Karin Thielemann gehen die beiden Kommissare Augsburg auf den Grund, indes muss ihr eigentlicher Auftrag warten. Doch wer ist der Tote? Und was hat die Kanalführerin Dr. Franziska Fredrich mit all dem zu tun?

Der neue Hausregisseur David Ortmann eröffnet mit der ersten Folge des »Tatort Augsburg« die Premieren-Trias im Schauspiel. Ermittelt wird dabei nicht auf der Guckkastenbühne, vielmehr verlassen die Zuschauerinnen und Zuschauer gemeinsam mit den Kommissaren den klassischen Theaterraum. Gefahndet wird im wohl aufwendigsten Bühnenbild überhaupt: in den Straßen, Häusern und Stadtteilen der Lechmetropole. Und immer wieder wird dabei das Live-Geschehen mit Videosequenzen gekoppelt. Noch nie war der »Tatort« so unmittelbar, niemals zuvor war das Publikum der Aufklärung des Falls so nah!

»Augsburger Theater macht den besseren ›Tatort‹. Aber jetzt mal im vollsten Ernst: Wer die durchschnittliche Durchschnittlichkeit der TV-›Tatort‹-Dialoge kennt, der fährt mit dem Augsburger Theater-›Tatort‹ deutlich besser. Witz, Hintersinn, schwarzer Humor und Eigenironie sind verknüpft (Buch Andreas Hillger). Man hat was zu kichern. Publikumskommentar auf dieser Schnitzeljagd für Fortgeschrittene: ›Das ist das Beschte!‹ […] Womit wir bei den letzten Dingen dieser flüssigen und technisch versierten Krimi-Inszenierung von David Ortmann sind: beim christlichen Glauben. […] Ergo: Nicht nur das Theater öffnet sich und dazu so mancher Stadtteile, auch die evangelische Kirche macht Tür und Tor hoch und weit, auf dass der Krimi Einzug halte. Adveniat, Tatort!«

»David Ortmann, neuer Hausregisseur am Theater Augsburg, hat das Format bereits in Dessau ausprobiert, aber mit viel Einfühlungsvermögen an die Augsburger Verhältnisse angepasst. Wie in jedem guten Tatort punktet der Plot mit Lokalkolorit und kleinen Spitzen auf örtliche Eigenheiten. […] Wie sich schon beim Premierenpublikum zeigte, trifft das „Tatort“-Format insgesamt den Nerv einer eher jungen Zielgruppe […]. David Ortmann hat für sein Buch [Autor: Andreas Hillger – D.O.] die Augsburger ziemlich gründlich studiert und ihre Ecken und Kanten ohne jede Bosheit satirisch verwertet. Das lässt den Theaterabend zu einem heiteren Ritt durch Stadtgeschichte und -gegenwart werden. Das neue Schauspielteam präsentiert sich […] als kompetentes Team und Hausregisseur David Ortmann hat sich bestens eingeführt. ›Wandertheater‹ wird auch wahrgenommen und kann künstlerisch etwas bieten. […] Der Tatort in Augsburg: ein heiteres Vergnügen mit hervorragenden Darstellern. Zielgruppe: vor allem Tatortfans. Deshalb nur teilweise das übliche Premierenpublikum. Viele junge Leute kamen aus Neugier. Ansporn zu weiteren ›Öffnungen‹ des Theaters in die Stadtteile.«

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