Loading...
  • Andreas Hillger
  • Theodore Ganger, Anatol Käbisch, Sebastian Müller-Stahl, Roman Pertl, Kai Windhövel sowie Linda Elsner, Ute Fiedler & Patrick Rupar
  • Kathrin Mergel
  • Theater Augsburg
  • 31. Dezember 2017, Gaswerkgelände Oberhausen (Start im Kühlerhaus)

Fotos: © Jan Fuhr

In deutschen Wohnzimmern gibt es eine letzte Sicherheit: den »Tatort«! Nach dem sonntäglichen Wetterbericht versammeln sich Millionen am Lagerfeuer der Nation, um mitzufiebern und wechselnde Ermittler bei der Täterjagd zu beobachten. Dabei gilt von Weimar bis Münster, von München bis Köln: Glücklich preist sich jede Stadt, die ihren eig’nen Krimi hat…
Vor Ort aber blickte man bislang neidisch in die Röhre – kein »Tatort Augsburg« war in Sicht. Ist (oder braucht) aber nicht auch Augsburg ein heißes Pflaster? Und überhaupt: Runter vom Sofa! Warum den Kommissaren zuschauen, wenn man auch selber mitermitteln kann?

Der erfolgreiche Auftakt des »Tatort Augsburg« hat die Kommissare in die wässrige Unterwelt der Stadt geführt, nun wechseln mit dem Ermittler-Team auch Tatzeit und Aggregatzustand: Im ehemaligen Gaswerk werden die Uhren um ein ganzes Jahrhundert zurückgedreht, eine Spezial-Folge entführt das Publikum in die Zeit, »als die Bilder tanzen lernten«. Ein großer Krieg treibt die alte Weltordnung unaufhaltsam ihrem Ende entgegen, Hunger und soziale Unruhen bestimmen für den Großteil der Bevölkerung auch jenseits der Fronten den Alltag, und gleichzeitig fordert das Vaterland in patriotischen Veranstaltungen dazu auf, Gold und Schmuck zu spenden, um die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten. Nichtsdestotrotz wuchern auch Dekadenz und Schwarzmarkt in dieser unruhigen Zeit – der Hunger der Massen steigert den Appetit der Reichen. Und mitten in diese explosive Situation platzt eine Nachricht, die das Publikum ins Zentrum des Verbrechens wirft!

Für die Unterstützung bedanken wir uns herzlich bei den Stadtwerken Augsburg, den Gaswerksfreunden Augsburg e. V., dem Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt, bei Cirkularium Catering sowie bei Dr. Michael Friedrichs.

»Nur gut, dass an Silvester die fünf Dutzend Zuschauer-Zeugen des zweiten Augsburger ›Tatort‹-Theaterkrimis – im Gegensatz zu den kribbeligen Bühnen-Akteuren – die Nerven bewahren und die Entschärfung mit Fachwissensvorsprung vorantreiben. […] Dass es allen Beteiligten nicht die Nerven zerriss bei dieser aparten Abendunterhaltung, die auch etwas von Schnitzeljagd und Kindergeburtstag für Große hatte, das lag auch daran, dass die ganze Chose vor 100 Jahren spielt, also 1917, als im Ersten Weltkrieg noch das Familiengold in die Rüstung floss und das Kintopp-Kino nicht von Mimen-Dialogen, sondern vom Klavier begleitet wurde. Tödlicher Ernst und urkomische Kaiser-Wilhelm-Propaganda und tönende Musiknostalgie fließen da ineinander – […] Geschichte kann eben doch bewegend sein.«

Rüdiger Heinze, Überregionales Feuilleton der Augsburger Allgemeinen vom 2. Januar 2018

»Unter spannenden Umständen hat das Theaterpublikum Gelegenheit, das neue Kulturareal zu erkunden: […] Dieser ernste Hintergrund, Auslöser auch für die Proteste und Revolten im Jahr 1918, ist die Blaupause für die Satire, mit der im Augsburger Tatort alles Hehre durch den Kakao gezogen wird. […] Dass sich unter den „Hilfssherriffs“ fleißige Helfer(innen) befinden, die die Technik zur richtigen Zeit aktivieren, ist Teil des Formats und zeigt den Aufwand, der trotz technischer Hilfsmittel getätigt werden muss. Regisseur David Ortmann hat sich einiges einfallen lassen. Zu Recht, wie sich zeigt, denn die weiteren Vorstellungen sind so gut wie ausverkauft.«

Ähnliche Inszenierungen